Unsere Ernährungsberaterin zum Thema "Schwierige Esser"

„Das esse ich nicht! Das mag ich nicht! Ich will Nudeln, aber ohne Soße!“ Welches Elternteil kennt Aussagen dieser Art nicht von seinem Kind. Eine scheinbar unlösbare, verzwickte Situation, vor der wir Eltern da gelegentlich stehen. Doch was hilft? Ein Geheimrezept gibt es leider nicht, dafür aber einige Vorschläge für Lösungsansätze zum Umgang mit „schwierigen“ Essern.

Prof. Volker Pudel, einer der renommiertesten Ernährungsexperten Deutschlands, hat den obersten Ernährungsgrundsatz im Umgang mit Kindern einmal so formuliert: eher abwarten, eher großzügig sein, nicht zu viel beeinflussen wollen, auf Kinder eingehen, auch Essenswünsche erfüllen, Mitspracherecht zulassen, dem Kind seine Spielräume lassen.

Wir appellieren an unsere Kinder: „Sei doch bitte vernünftig, das Müsli, der Salat, das Vollkornbrot… sind doch sooo gesund und wichtig für dein Wachstum“. Doch erreichen Sie mit diesen Argumenten Ihr Kind? Nein! Kinder wollen nicht vernünftig sein, sondern die Leckereien ausprobieren, die sie aus der Werbung, dem Supermarkt oder von anderen Kindern kennen.

Nutzen angstbehaftete Drohungen wie: „Wenn du so weiter isst, wirst du bald krank!“ Nein! Kein Kind wird sich davon beeindrucken lassen.

Den Schlüssel zum Erfolg tragen Sie in Ihrer Hand! Leben Sie Ihren Kindern ein entspanntes, ausgewogenes Essverhalten vor, nur so erzielen Sie eine Wirkung. Lassen Sie sich möglichst nicht von der Werbeindustrie verführen, an eine besondere Wirkung von Kinderlebensmitteln zu glauben, die ja „extra“ für die Kleinen produziert werden. Für die Werbeindustrie sind Kinder eine dankbare Ziel- und wir Eltern vor allem eine interessante Käufergruppe.

Planen Sie gemeinsam die Familienspeisen, betonen Sie, wie köstlich diese frische saftige Birne Ihnen schmeckt, erzählen Sie Geschichten von sich selbst aus Ihrer Kindheit (Bei Oma gab es einen Birnenbaum im Garten und wenn die Birnen reif waren, konnte ich nie genug davon bekommen…). „Riech doch mal an der Birne mit geschlossenen Augen“,  versuchen Sie, den Genusssinn bei Ihren Kindern zu stärken. So entsteht ein emotionaler Bezug zu bestimmten Speisen und Nahrungsmitteln.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es ratsam, Ihrem Kind immer wieder ähnliche Kombinationen anzubieten, wie zum Beispiel Nudeln mit Salat, nach einem Vollkornkäsebrot eine kleine Portion Süßigkeiten, usw. Dies führt in der Regel zu einer Stabilisierung des Essverhaltens und ist nachhaltiger in der Wirkung als ein strenges Unterteilen in gesunde und ungesunde Lebensmittel. Ein sich stabilisierendes Essverhalten beugt darüber hinaus einer Überversorgung und Entwicklung von Übergewicht vor, das in Deutschland immer noch den Schwerpunkt von Ernährungsproblemen bildet. Angst vor Mangelernährung ist in den meisten Fällen völlig unbegründet, da sich ein behandlungsbedürftiges Untergewicht bzw. eine Essstörung nur in Ausnahmefällen entwickelt.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Vorschlägen einige Anregungen gegeben zu haben und wünsche Ihnen viel Geduld!

Ihre Katja Degen, Ernährungsberaterin Löwenzahn