Unsere Ernährungsberaterin zum Thema "Eltern als Vorbilder in der kindgerechten Ernährungserziehung"

Unsere Kinder orientieren sich im Essverhalten an uns Eltern, das bedeutet: Kinder ahmen auch beim Essen das nach, was sie bei uns Erwachsenen sehen, sie übernehmen also unsere guten wie schlechten Gewohnheiten. Vor allem bei jüngeren Kindern hat das Vorbild von uns Eltern weitreichenden Einfluss auf das Essverhalten. Wenn Sie sich selbst abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, wird Ihr Kind dies als völlig normal erleben und als ganz selbstverständlich übernehmen. In der Praxis ist dies immer wieder zu beobachten.

Stress und Streit ums Essen verdirbt uns allen die Freude daran: Deshalb vermeiden Sie Stress beim und rund ums Essen. Weder müssen Kinder ihren Teller immer leer essen, noch müssen sie alles gleichermaßen gern essen. Es wird bestimmt Gemüsesorten geben, die Ihrem Kind vielleicht auch gar nicht schmecken. Das ist bei uns Erwachsenen nicht anders und gibt keinen Anlass zur Sorge, solange zum Beispiel Gemüse nicht grundsätzlich abgelehnt wird und es so zu einer Unterversorgung im Bereich der Vitamine und Mineralstoffe kommen würde.

Kinder lieben geregelte, immer wiederkehrende Abläufe, deshalb versuchen Sie, einen möglichst festen Mahlzeitenrhythmus einzuführen und einzuhalten. Kinder brauchen regelmäßige Mahlzeiten und sollten morgens, mittags und abends etwas essen. Getränke sollten stets zur Verfügung stehen; bei Hunger zwischendurch gibt es Zwischenmahlzeiten, aber nicht ständig etwas zu knabbern.

Nach Möglichkeit sollten gemeinsame Familienmahlzeiten ihren festen Platz im Familienalltag haben. Sie sind Gelegenheit und Anlass, sich gegenseitig auszutauschen und im Gespräch zu bleiben. Vor allem in jungen Jahren übernehmen Kinder hierbei vieles, was sie am Beispiel ihrer Eltern, Geschwister, Großeltern oder WG-Mitglieder beobachten können – angefangen von der Auswahl der Speisen bis hin zum Verhalten bei Tisch. Bei einer angenehmen Atmosphäre zu Tisch erfahren Kinder, dass Essen und Trinken etwas Besonderes ist und zu unserem allgemeinen Wohlbefinden maßgeblich beiträgt.

Übergeben Sie Ihrem Kind seinem Alter entsprechende Aufgaben rund ums Essen. Kinder helfen meist gern und das weckt ihr Interesse am Essen. Mit zunehmendem Alter sollten sie auch in die Planung und Zubereitung der Mahlzeiten einbezogen werden und mit gestalten können.
Kinder sind in der Regel neugierig. Geben Sie Ihrem Kind deshalb Gelegenheit, möglichst viel über Lebensmittel zu erfahren – wie sie unverarbeitet oder im Rohzustand aussehen, woher sie kommen, wie sie wachsen, was sich daraus zaubern lässt und natürlich: wie sie riechen und schmecken.

Beherzigen Sie bitte auch, das Essen kein geeignetes Erziehungsmittel ist:
Lebensmittel sind weder Trostpflaster noch Belohnung. Setzen Sie Lebensmittel nicht dafür ein, ein bestimmtes Verhalten bei Ihrem Kind zu erzielen. So sollte zum Beispiel kein generelles Nachtischverbot bestehen, nur weil vom Hauptgericht unter Umständen nichts angerührt wurde. Etwas anderes ist es natürlich, wenn Ihr Kind grundsätzlich den Hauptgang ablehnt und nur vom Dessert essen möchte, dann sollten Sie eine Absprache treffen. In der Umsetzung ist dies nicht immer ganz einfach, aber es lohnt sich - denn nur mit viel Geduld werden Ihre Kinder entspannte Esser und Genießer.

Herzlichst,
Ihre Katja Degen, Ernährungsberaterin Löwenzahn